Alltagsrelevanz und die Kraft des Heiligen Geistes

Russell Evans setzt klare Impulse

„Ich hätte gerne Schnitzel zum Mittagessen, wenn man in Deutschland zu Gast ist, muss man Schnitzel essen.“ Unter seiner Baseballkappe lacht er breit hervor, an sein Englisch muss ich mich erst ein wenig gewöhnen. Unser Präses hat mich zum Mittagessen mit unserem Gast eingeladen, um ihn gleich zu Beginn der Konferenz kennenzulernen.

In dritter Generation...

Russell Evans ist in dritter Generation Pfingstprediger und kommt aus Australien. Geboren wurde er 1967 in Papua Neuguinea, auf dem Missionsfeld. Und so erklärt er deutlich: „Du wärst nicht hier, wenn andere nicht schon vor dir dabei gewesen wären. Jede Generation steht auf den Schultern der vorangegangenen.“ Sein Vater Andrew war Leiter der australischen Pfingstbewegung und weltweit in Gemeindegründung tätig. „Du sollst diesen Planeten erschüttern“, hatte mal jemand in jungen Jahren zu Russell gesagt. Konsequenterweise nannte er die von ihm vor zehn Jahren gegründete Gemeinde in Melbourne „Planetshakers“. Von vielen Jugendlichen wird ihre Musik geliebt und sie hat neben Hillsong eine ganze Generation mit geprägt. Er selbst kann auch zur E-Gitarre greifen und ein wenig „abrocken“, wie er in Willingen auf der Bühne beweist. Die Melbourner Gemeinde hat inzwischen Zehntausend Gottesdienstbesucher, die allermeisten von ihnen haben sich dort zu Jesus bekehrt.

Liebe zum Reich Gottes und zur Gemeinde, das ist Russell Evans abzuspüren. „Unsere Gemeinden sollen das widerspiegeln, was im Himmel stattfindet: Friede, Freude, Gottes Gegenwart, Lobpreis, Anbetung und vieles mehr, was dort wertgeachtet wird.“ Immer wieder legt er den BFP-Geschwistern in Leitungsverantwortung ans Herz, persönlich und gemeinsam Gottes Gegenwart viel Raum zu geben.

Moderne Kirchengeschichte

„Viele von euch wissen gar nicht, dass Darlene Zschech, eine der führenden musikalischen Köpfe bei Hillsong, früher bei Youth-Alive Australien war. Wir haben damals Jugendcamps gemacht, die in die neue Bewegung des Lobpreises führten – und das nicht nur bei Hillsong. Daraus sind auch die „Planetshakers“ entstanden“ Die Predigten von Russell sind nicht nur geistlich inspirierend, sondern geben am Rande auch einen Einblick in die moderne internationale (musikalische) Kirchengeschichte, die eng mit den australischen „Assemblies of God“ verbunden ist: „Brian Houston, Leiter von Hillsong, war einer der Nachfolger meines Vaters als Bewegungsleiter in Australien“.

Ein Pfingstler – durch und durch

Der glatzköpfige Prediger mit T-Shirt und knallroten Turnschuhen legt nicht so viel Wert auf die äußere Form, dafür umso mehr auf einen inspirativen Inhalt seiner Predigten, die in Willingen alle alttestamentlich-bildhaften Charakter mit zeitgemäßer Anwendung haben. Seinem Übersetzer Tim Sukowski aus Wunstorf mutet er etliche Laufmeter auf der Bühne zu, verschwindet hinter der Bühne im wallenden Vorhang, um als nächstes einen Pastor aufzurufen, der sich auf die Bühne flach auf den Boden legen soll. Er demonstriert, wie wir eine Position der geistlichen Autorität einnehmen können. „Wir müssen nicht nur in unserer Sprache und Gemeindekultur relevant sein, das ist zu wenig. Die Gemeinde Jesu braucht die Kraft des Heiligen Geistes.“ Und dann appelliert er: „Hände weg vom Lenkrad, lasst den Heiligen Geist ran, damit er euch führen kann.“ Russell ist Pfingstler durch und durch. Und – er liebt das Gebet in Sprachen.

Selbst im Alter noch auf Wachstum gepolt

Russell ist ein inspirierender Prediger: „BFP, sei mutig! Die großen Städte in Deutschland sollten Hunderte von BFP-Gemeinden haben! Du bist derjenige, den Gott mit Kraft ausstattet, etwas in dieser Welt in seiner Kraft zu bewegen.“ Sein Großvater, so berichtet er, habe mit 86 Jahren noch Blindenschrift lernen wollen, um seine Bibel selbst lesen zu können, als er erblindete. Auch er war Pfingstprediger, eine „wachsende“ Person, selbst im Alter. „Bist du als Leiter bereit, auch noch im Alter zu wachsen?“ Sein Opa wollte mit 87 noch ins Hinterland gehen, um eine Gemeinde zu gründen, und – hat das auch gemacht. Er hat an die Türen der Häuser der kleinen Stadt geklopft und die Leute zur ersten Versammlung der neuen Pfingstgemeinde eingeladen. Im ersten Gottesdienst waren 50 Leute anwesend. „Wir sollten immer hungriger werden, je näher wir der Ewigkeit kommen. Jung zu sein ist eine Einstellung, nicht eine Frage des Geburtsdatums.“

Wir haben ein geistliches Erbe!

„Ihr als Deutsche habt ein starkes geistliches Erbe. Aus eurem Land ist der Evangelist hervorgegangen, in dessen Versammlungen die meisten Menschen zum Glauben an Jesus gefunden haben. Dieses Erbe soll in euren Gemeinden neu sichtbar werden. In unserem Herzen sind oft Stimmen, die uns von unserer Berufung abhalten wollen. Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben. Diesen Stimmen dürfen wir nicht gehorchen. Glaube nicht der Einschüchterung und Entmutigung. Als das Volk Israel in das verheißene Land einziehen wollte, gab es viel an Einschüchterung durch den Feind, der größer aussah, als er wirklich war.“ Russell erreicht die Herzen der über 1000 BFP-Pastoren und Leiter, als er für Menschen betet, die sich eine stärkere Last für Verlorene aufs Herz legen lassen wollen und befreit von Einschüchterung und Furcht dienen möchten. Und er betet auch für Menschen, deren Träume durch die gemeindliche Realität verflogen sind, die ihre anfängliche Vision aufgegeben haben.

Erinnerungen an 1991: Gemeindeneugründung

Russell bringt Grüße von seinem Vater. Ja, Andrew Evans war 1991 auf der BFP-Konferenz in Hamburg der Hauptsprecher. Altpräses Reinhold Ulonska hatte ihn damals kennengelernt und nach Deutschland eingeladen. Evans, so erinnern sich viele heute noch, setzte damals klare Zeichen in Bezug auf Gemeindeneugründung und inspirierte die damalige Leitung des BFP dazu, das Thema der Gemeindeneugründung in den Fokus zu nehmen. War es bis zum damaligen Zeitpunkt eher ungewöhnlich, eine weitere Gemeinde in einem Ort zu gründen, wenn es dort schon eine gab, so wurde hier ein Richtungswechsel vollzogen. Evans inspirierte den BFP damals mit seinem „Vier Punkte“-Programm für Gemeindeneugründung.

 

Große Gemeinden?

23 Jahre später schließt sich der Kreis. „Wenn damals eine Gemeinde bei uns als groß galt, dann sprachen wir von 300 Mitgliedern, heute sprechen wir bei einer großen Gemeinde von 30.000 Mitgliedern.“ Er wird nicht müde zu betonen, dass wir für Wachstum die Kraft des Heiligen Geistes brauchen. Aus seiner Sicht muss die Gemeinde einflussreich und von Großzügigkeit geprägt sein. Er ist sich sicher: „Wenn wir das Bewusstsein für die Gegenwart des Heiligen Geistes haben, werden wir eine nach außen orientierte Gemeinde sein, aber ihre Kraft kommt aus dem Gebet.“

Wohltuend ist auch, dass unser australischer Gastsprecher nicht auf „Erfolg und Wohlstand“ abhebt, sondern auch betont, dass die Gemeinde eine verfolgte Gemeinde ist. Nicht zuletzt betont er aber die Gemeinde „mit Zeichen und Wundern“. Die erste Gemeinde praktizierte die übernatürlichen Gaben des Geistes intensiv. Dadurch werde es „spannender als bei jeder Party oder Fußballspiel“. Wichtig ist dabei, eine Sprache zu sprechen, die von Menschen von heute verstanden wird. Jesus tat das, zu Fischern hat er über Fisch gesprochen... An diesem Punkt wiederholt er sich, aber der Eindruck bleibt nachhaltig haften.

Frauen mit Berufung

Auf seinen Impuls hin betet seine Frau Sam für die Freisetzung von Frauen im BFP, damit sie in der Kraft des Heiligen Geistes ihrer Berufung gemäß dienen können. Damit bestätigt er das aktuell begonnene Bestreben der Bundesleitung. Nebenbei erinnert Sam mit ihrem schicken „Dutt“ an Mode vergangener Zeiten. Auch das tut gut: Tradition und Moderne verbinden sich.

Eine Kultur der Ehre im BFP

Russell Evans betont zum Schluss noch den interessanten Aspekt der „Ehre“. Vom Wort Gottes her erläutert er, dass „Ehre/ehren“ – biblisch gesehen – nichts mit Hierarchie zu tun habe, sondern mit dem Wert, den wir uns gegenseitig beimessen. Der Vater im Himmel habe damit begonnen, indem er jeden Menschen zu seinem Erben macht. Den Preis dafür, den Gegenwert, habe er bezahlt, indem er Jesus, seinen Sohn opferte. Im Bewusstsein dieses Wertes werde Gemeinde gebaut, können Menschen leiten – zur Ehre Gottes.

von Frank Uphoff

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