Der Gebetszug rollt

Durch Gebet verändert Gott uns – und die Welt

Sehen, was Gott sieht

„Schaut nicht auf eure kleine 50-Mann-Gemeinde, sondern auf die Vielen, die der Herr schon sieht und hinzutun wird“, ruft BFP-Pastor Uwe Maurischat den Betern zu. Eine Verstärkeranlage gibt es nicht. Weil alle laut beten, finden seine Worte nur langsam die Aufmerksamkeit der Konferenzteilnehmer. Die Gebete ebben ab und die Lok macht Pause, damit jeder das, was Uwe sagt, hören kann: „Denkt groß! Nicht weil ihr groß sein wollt, sondern weil Gott groß ist. Wir stehen erst am Anfang in unseren Gemeinden – und ich bin kein Fantast. Ich bin gar nichts, aber ich bin stark in dem Herrn… und du auch.“ Die Dampflok nimmt wieder an Fahrt auf: Die Konferenzteilnehmer preisen Gottes Größe und Macht, alle miteinander und durcheinander, aber zusammen klingen sie wie ein Chor.

Gott entgleitet nichts

Es werden Gebetsanliegen vorgelesen. Eine Frau hat Krebs, eine Familie ist in großen, finanziellen Nöten, eine Gemeinde hat interne Probleme. Die Gebetslok rollt und Gott ist hier „und er wird sich darum kümmern, wann und wie er will“, durchfährt es mich. Glaube macht sich breit, Vertrauen in einen großen Gott, dem nichts entgleitet.

Nicht einschüchtern lassen

„Wir wollen auch dort hingehen, wo es besonders dunkel ist“, betet Pastor Maurischat und ich höre um mich herum Fürbitten für Gefängnisinsassen, das Rotlichtmilieu, Straßenkinder und zerbrochene Familien. „Lasst euch nicht einschüchtern, wenn ihr mit euren Gemeinden rausgeht und Licht seid. Jesus ist Herr. Er kommt nie zu spät. Lasst uns beten, dass der Geist Gottes auf uns kommt und die Angst wegnimmt!“ Die Konferenzteilnehmer formen Gebetsgruppen und beten für die Christen, die weltweit verfolgt werden. Sie beten dafür, dass der Glaube der Verfolgten gestärkt wird und Gott mächtig durch sie wirkt.

Was wäre wenn …

Um mich herum tobt das Gebetsleben, doch ich muss nachdenken: Was wäre, wenn dieser Gebetszug auch in unseren Gemeinden rollen würde? Wenn sich zu den Gebetsstunden nicht nur Einzelne verirren würden, sondern sie zum Haupttreffpunkt der Christen in unseren Städten werden würden? Wenn nicht Lautlosigkeit die Gebetsatmosphäre erfüllt, sondern ein Drängen und Sehnen, Gott nahe zu sein, ihm ähnlicher zu werden und das Leben zu führen, das er für einen vorgesehen hat? Wenn wir Zeichen und Wunder erleben, weil wir beten, wie der Heilige Geist uns führt – gemeinsam?

Wärmeres Gebetsklima

Wenn die Konferenz vorbei ist, wird Uwe Maurischat in den einzelnen BFP-Regionen gemeinsam mit den dortigen Pastoren Gebetsinitiativen schaffen: „Ich glaube, dieser Plan ist vom Herrn. Er will, dass das Gebetsklima in unseren Gemeinden wärmer wird und wir ganz neu entflammt werden – für ihn und für das, was er in Deutschland tun will. Solche Gebetsstunden werden inspirierend und nie langweilig!“

Gebet ein Highlight?

Nach 45 Minuten kommt der Gebetszug zum Halten. Die Leiter und Pastoren eilen noch schnell zum Frühstück, bevor es um 9 Uhr im Plenum weitergeht. Ein Freund setzt sich neben mich und fragt, wie es mir geht. „Dieses Frühgebet war für mich das Highlight der gesamten Konferenz,“ ist meine Antwort. Warum? Ich kann es gar nicht richtig erklären. Oder doch: Wer betet, ist nahe am Herzen Gottes. Wer betet, arbeitet direkt mit dem Heiligen Geist zusammen, der die Gebete lenkt. Und durch Gebet verändert Gott uns und die Welt. Was will man mehr?

von Esther Dymel-Sohl

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