Gemeinde, ein Ort der Heilung

Eröffnungspredigt der Leiterschaftskonferenz

Die perfekte Gemeinde gibt es nicht. Das wird jeder bestätigen, der schon mal eine Gemeinde aufgesucht hat. Aber es geht auch gar nicht darum, perfekte Gemeinden zu bauen. Vielmehr wollen wir beGEISTert Gemeinden bauen und dabei erleben, dass Gott selbst negative Erfahrungen in etwas Gutes verwandeln kann. Wer in der Gemeinde verletzt oder überfordert wird, soll erfahren, dass Gemeinde zum Ort der Heilung werden kann.

 

1. Gemeinde, ein Ort des Glaubens

Einst verließen Jesus und seine Jünger das Gebiet um den See Genezareth und gingen nach Cäsarea Philippi. Dort stellte Jesus eine entscheidende Frage (Mt 16,13): „Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ Damit erkundigte sich Jesus zunächst nach der Meinung der Menschen, forderte aber bereits den Glauben seiner Jünger heraus. Die Antworten waren vielfältig und sicherlich schmeichelhaft (Mt 16,14): „Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.“ Das Volk verglich Jesus mit einer der ihnen bekannten Persönlichkeiten aus dem Judentum. Das, womit sie sich ständig gedanklich beschäftigt hatten, bildete ihr Glaubenssystem. Und da sie Jesus nicht wirklich kannten, erkannten sie ihn auch nicht wirklich.

Daraufhin fragte Jesus seine Jünger: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Mt 16,15). Petrus, der gemeinsam mit Johannes und Jakobus zum inneren Kreis von Jesus gehörte, konnte erfüllt vom Heiligen Geist diesen Glaubenssatz aussprechen. Ein Glaubenssatz „setzt“ Glauben. Das heißt, der Glaube wird damit bestätigt und gestärkt. Genau das soll in der Gemeinde geschehen. Sie soll ein Ort des Glaubens sein, zusammengesetzt aus Menschen, die Jesus wirklich kennen und ihren Glauben auf ihn ausrichten. Und da Jesus Pläne und Ziele für seine Jünger hatte, förderte und forderte er sie. Er tat dies, weil auch er an sie und ihren Auftrag glaubte.

 

2. Gemeinde, ein Ort der Verletzung

Dennoch ist die Gemeinschaft der Glaubenden keine Insel der Glückseligen. Manchmal kann es „heftig“ zur Sache gehen. Als Jesus seine Jünger intensiv in seinen Auftrag hineinnahm und von seinem Leiden und Sterben erzählte, war Petrus damit nicht einverstanden. Er fuhr Jesus „heftig“ an (Mt 16,22): „Dies wird dir nicht widerfahren!“ Die Antwort von Jesus folgte prompt: „Geh hinter mich, Satan!“ Damit wollte Jesus Petrus sicherlich nicht als dämonenbesessen darstellen. Aber er machte mehr als deutlich, dass Petrus mit diesen Worten so reagierte, wie man es von Satan („Widersacher“) erwartet hätte. Gerade noch hatte Jesus den Glaubenshelden Petrus gelobt, nun muss er ihn tadeln. Wie sehr muss dies Petrus getroffen und verletzt haben!? Hätte Jesus nicht sanftere Worte wählen können? Etwa so: „Petrus, das, was du hier sagst, entspricht nicht dem, was ich dich gelehrt habe. Du solltest doch schon weiter sein." Aber ganz egal, wie nett es Jesus formuliert oder verpackt hätte: Seine Botschaft hätte in jedem Falle wehgetan.

Gerade weil die Gemeinde ein Ort des Glaubens ist und aus Menschen besteht, die einander lieben und die Wahrheit sagen, wird Gemeinde auch immer ein Ort der Verletzung sein. Es gibt einen Teil unseres Wesens, der anderen bekannt ist, uns selber aber nicht. Das ist der sogenannte „blinde Fleck", der für andere anstrengend sein kann. Und dann gibt es noch einen Teil unseres Wesens, der weder uns noch anderen bekannt ist. Nur Gott kann in diese Tiefen unseres Wesens hineinschauen, und manchmal muss er korrigierend eingreifen. Aber es ist doch so, wie jemand einmal sagte: „Wer mich liebt, kann mir auch etwas sagen."

 

3. Gemeinde, ein Ort der Vergebung

Eine Verletzung ist aber auch immer die Möglichkeit zur Vergebung und schließlich die Möglichkeit zur Heilung. Gottes Liebe heilt Sünden und ihre Folgen, auch die körperlichen. Und wenn das nicht in der Gemeinde geschehen kann, wo dann? Menschen, die gemeinsam glauben, sich wertschätzen, lieben und annehmen, schaffen darin die Grundlage dafür, dass Heilung geschehen kann. Im Prozess des Vergebens und der Loslösung von alten Erfahrungen öffnen sie sich für die Heilung ihrer Verletzungen. Dies verdeutlicht uns eine andere Begebenheit zwischen Jesus und Petrus. Als Petrus nämlich Jesus nach dessen Gefangennahme drei Mal verleugnet hatte, ging Jesus später auf Petrus zu und erkundigte sich drei Mal nach dessen Liebe für ihn. Jesus fing an, die dunkelste Stunde im Leben des Petrus aufzuarbeiten und ihm Vergebung entgegenzubringen (Joh 21,15-17).

 

Unsere Gemeinden brauchen Leiter, die an andere glauben und ihnen die Möglichkeit zur Vergebung und Heilung eröffnen. Jesus stellte die Beziehung zu Petrus wieder her und schuf somit die Voraussetzung für dessen späteren Dienst. Deshalb ermutige ich dazu, ein Leiter zu sein, der von einer vergebenden Haltung geprägt ist. Dieser Dreiklang von Glaube, Verletzung und Vergebung bringt letztlich Heilung. Als Leiter sollten wir von dem Ziel angetrieben sein, dass unsere Gemeinden heilsame und wohltuende Orte für Menschen darstellen.

 

Hannelore Illgen verfasste diesen Artikel anhand des Manuskriptes der Predigt, die BFP-Präses Johannes Justus beim Eröffnungsabend der 119. Bundeskonferenz „Näxt Leitschaftskonferenz“ hielt.

 

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