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Aktuelles aus dem BFP - Online-Ausgabe vom 23.02.2012 - 04:28 Uhr


70 Jahre Wannsee-Konferenz

23.01.2012

Gedenk- und Solidaritätsveranstaltungen in Israel
 
Am 20. Januar 1942 fand in einer Villa in Berlin-Wannsee jene Besprechung statt, deren Ergebnis verheerende Folgen für die Juden Europas hatte. Bei dieser sogenannte Wannsee-Konferenz gab ein großer Teil der damaligen Reichsministerien seine Zustimmung zur "Endlösung der Judenfrage" und vereinbarte organisatorische Kooperation, die damals in Europa lebenden elf Millionen Juden zu liquidieren. Die traurige Bilanz drei Jahre danach waren sechs Millionen durch das Naziregime ermordete Juden. Der Ort der Wannsee-Konferenz ist seit seiner Eröffnung 1992 eine stark besuchte Gedenkstätte.
 

Yad Vashem (Foto: Sasson Tiram)

Bewegender hätte die Resonanz in Israel nicht sein können, als die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) zusammen mit ihrem deutschen Zweig das Gedenken "70 Jahre Wannsee-Konferenz" in Jerusalem plante. Persönlichkeiten aus Politik und Religion in Israel folgten ihrer Einladung, zu der sie Vertreter evangelikaler Gemeindeverbände und Israel-Werke aus Deutschland und Österreich eingeladen hatten. 
 
In den Räumen der ICEJ, die seit knapp 30 Jahren christliche Solidarität gegenüber der israelischen Regierung und dem jüdischen Volk mittels sozialer Hilfe vor allem an Immigranten und Holocaust-Überlebenden übt sowie jährlich Tausende evangelikaler Christen zum Laubhüttenfest nach Jerusalem einlädt, fand die erste Begegnung mit einem Abgeordneten der Kadima-Partei statt. Selber als Friedensaktivist seit 20 Jahren mit seiner Familie als Siedler in der sogenannten Westbank lebend, tritt er jedoch inzwischen mit seiner Partei für eine friedliche Zweistaaten-Lösung ein. 
 
Oberrabiner Jona Metzger (Foto: Sasson Tiram)Aufgrund der Wertschätzung der Arbeit der ICEJ auf jüdisch-religiöser Seite konnte eine Begegnung der Delegierten mit Oberrabbiner Metzger sowie Rabbiner David Rosen, zuständig für den religiösen Dialog weltweit, im Haus des Oberrabbinats stattfinden. Rabbi Metzger, gerade aus Hamburg zurückgekehrt, wo er den neuen Rabbiner, Enkel des ehemaligen Rabbiners der Hansestadt, eingeführt hatte, lobte die Beziehung zu Deutschland, vor allem durch die Kanzlerin und den Bundestag. Er betonte die Tatsache, dass der Antisemitismus dort im europäischen Vergleich am geringsten sei. 
Der Begegnung im Oberrabbinat folgte eine Führung durch die Knesset. Abschluss des Tages bildete eine Veranstaltung im Konrad Adenauer Konferenzzentrum mit Leitern der Holocaust-Verbände, die etwa 120.000 Überlebende repräsentieren. Die Reaktion auf die Statements ausgewählter Delegierter, darunter Hannelore Illgen für die Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland und den BFP, war bewegend.  "Ich beginne, an Gott zu glauben:" So der ehemalige israelische 90-jährige und hochdekorierte General nach der auch für ihn ungewöhnlich beeindruckenden Begegnung. 

Besuch in Yad Vashem

Halle des Gedenkens (Foto: Sasson Tiram)
Der zweite Tag war überwiegend Yad Vashem, dem Holocaust-Gedenkzentrum, gewidmet, organisatorisch unterstützt von deren Abteilung für internationale Beziehungen und den christlichen Freunden von Yad Vashem. Die Niederlegung von 35 Kränzen der Delegierten europäischer und deutscher Gemeindeverbände, darunter auch die VEF und des BFP, sowie Israelwerken aus Deutschland und Österreich und weiteren Persönlichkeiten aus Israel fand auf dem Platz des Warschauer Ghettos statt. Ingolf Ellßel war der erste, der als Repräsentant mehrerer Millionen europäischer Pfingstler einen Kranz an der Gedenkstelle niederlegte. In seiner kurzen Absprache verwies er u. a. auch auf ein notwendiges Gedenken der vielen Millionen ermordeten Christen hin. Daran schloss sich die bewegende zentrale Kranzniederlegung in der Halle der Erinnerung an, in der sonst Staatsoberhäupter aus aller Welt den Opfern des jüdischen Holocaust ihre Referenz erweisen. 
 
Der Direktor der Abteilung für internationale Beziehungen Yad Vashems, Shaya Ben Jehuda, empfing die Delegierten und etwa 100 weitere Persönlichkeiten im Auditorium der Anlage. Er zeigte sich bewegt, dass die Delegierten zum Teil auch ihre Kinder mitgebracht hatten, und somit die nächste Generation der Christen in das Wissen um die Geschehnisse der Vergangenheit miteinbezogen sind. Der ebenfalls anwesende Generalsekretär des jüdischen Welt-Kongresses, Dan Diker, rief die Anwesenden zur Wachsamkeit und Protest bei beginnender antijüdischer Propaganda zur Vernichtung des israelischen Staates auf, um ein neues Wannsee zu vermeiden, insbesondere auf die Äußerungen des iranischen Präsidenten hin. Er zog dabei die Parallele zur Vernichtungspropaganda von Haman im persischen Reich nach dem Buch Esther. Probst Dr. Gräbe von der Jerusalemer Erlöser-Kirche erinnerte in seinem Beitrag an das Versagen fast aller Christen während der NS-Zeit, in ihren jüdischen Mitbürgern nicht auch das Ebenbild Gottes zu sehen und entsprechend wertzuachten.
 
Die zweitägigen Begegnungen in Jerusalem fanden ihren Abschluss in den Räumlichkeiten der ICEJ, die unter ihrem internationalen Leiter Dr. Jürgen Bühler Initiator dieses historischen Gedenkens war. Im Rahmen einer Konferenzschaltung gab es einen Kontakt zwischen den Teilnehmern der parallel stattfindenden Gedenk-Veranstaltungen in Berlin. 
 
Hannelore Illgen, Beisitzerin BFP-Vorstand und Vorstandsmitglied der VEF / Fotos: Sasson Tiram

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