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Aktuelles aus dem BFP - Online-Ausgabe vom 26.05.2013 - 06:11 Uhr


Begegnung mit mehr als einer halben Million Menschen

07.07.2012

Von Sönke Hauschild

 Pastor Hans-Peter Mumssen und Band (Quelle: ZDF)"Noch 30 Sekunden" – Stille – "Vorspann läuft" – Stille, dann ein Handzeichen der Regie und Pastor Hans-Peter Mumssen greift in die Tasten. Die ersten Klänge des Vorspiels von "Nun danket alle Gott" setzen ein. Der Gospelchor des  Christus-Zentrum Arche  (CZA) in Elmshorn marschiert gemessenen Schrittes auf die Bühne. Die Kamera folgt ihm und schwenkt dann zu Hans-Peter Mumssen und Band. Es ist der 1. Juli 2012, 9:30 Uhr und der Fernsehgottesdienst im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) wird live aus Elmshorn in Schleswig-Holstein übertragen. Seit 30 Jahren sendet das ZDF jeden Sonntag eine dreiviertel Stunde abwechselnd aus einer katholischen und evangelischen Kirche. Regelmäßig verfolgen mehrere hunderttausend Menschen diese Fernsehgottesdienste pro Sendetermin. Für das ZDF bedeutet das im Jahr 2012 einen Marktanteil von 7,7 Prozent am Sonntagvormittag. Für die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) ist die Zahl der Fernsehzuschauer etwa gleichauf mit der Zahl der "realen" Kirchgänger eines Sonntags.  

Gott live begegnen

Esther Dymel-Sohl moderiert den Gottesdienst an: "Guten Morgen, liebe Gottesdienstbesucher hier und zu Hause an den Bildschirmen". Sie wird unterstützt von Bernd Hock: "Seien Sie neugierig auf die kommende Dreiviertelstunde und feiern Sie mit uns." Esther Dymel-Sohl und Bernd Hock moderieren die Übertragung (Quelle: ZDF)Beide sind erfahren in öffentlichen Auftritten. Dennoch ist es für eine Pfingstgemeinde sicherlich ungewohnt, dass jedes gesprochene Wort zuvor in einem Drehbuch genau festgelegt wurde. Das CZA gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP). Nun richtet sich Pastor Mumssen an die Gemeinde: "Unser Thema heute ist: Begegnung mit Gott." Er fragt in Kamera 2 hinein: "Gibt es so etwas überhaupt, was glauben Sie?" Diese Frage formulieren beide Moderatoren als Bitte an Gott: "Begegne jedem einzelnen." Der CZA-Pastor erklärt, dass man Gott auch im Lobgesang  begegnen kann und geht dabei zum Piano, das er virtuos bedient. Kurz darauf schmettert der Chor das alte Kirchenlied: "Großer Gott, wir loben dich."  

Einschaltquote für die Gute Nachricht

ZDF-Kameras in der Arche.Neben den großen Kirchen sind auch die evangelischen Freikirchen mit zwei bis drei Gottesdiensten im Jahr an der wöchentlichen TV-Ausstrahlung beteiligt. Jürgen Single, Fernsehredakteur von "Fenster zum Sonntag" aus der Schweiz, vertritt den BFP in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen im Bereich Medien (Radio & Fernsehen). Er kennt den CZA-Pastor seit 20 Jahren als integre geistliche Persönlichkeit, wie er sagt, und hat Elmshorn als Übertragungsort vorgeschlagen. "Eine Gemeinde muss fernsehtauglich sein, darf sich aber zugleich die geistliche Identität durch die technischen Anforderungen nicht rauben lassen", sagt er.  

Trotz Drehbuch echte Begeisterung

Die Ortsgemeinde feiert indes weiter mit einem Lied, das Pastor Pit, wie ihn seine Gemeinde gerne nennt, extra für diesen Anlass komponiert hat. "Schöpfer dieser Welt, der uns trägt und hält" swingt es im New Orleans-Stil der 30-er Jahre durch den Raum und über den Äther. "Gott verlässt uns nicht" lautet die zentrale Botschaft. Inzwischen wird klar, dass sich die Gemeinde vom Drehbuch nicht die Lebendigkeit nehmen lässt. Die Menschen stehen auf, klatschen und singen begeistert ihrem Gott. Die Kameras fangen das bunte Bild ein. Dazu gehen die Kabelträger, die sich aus ehrenamtlichen Helfern des CZA rekrutieren, gerne die eine oder andere Meile mit den drei fahrenden Kamera-Ungetümen mit. 

Bei der Generalprobe am Vortrag hörte man von Mitarbeitern des insgesamt 30-köpfigen ZDF-Teams immer wieder: "Sehr authentisch!" "Diese Fröhlichkeit…!" oder "So etwas haben wir noch nicht gehabt!" Für den Sender sind die Zuschauerreaktionen ebenso wie die Einschaltquote ein wichtiger Gradmesser des Erfolgs. Im CZA in Elmshorn hingegen will man einfach die große Chance nutzen, Menschen die Gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben. Hans-Peter Mumssen hat seine Mitglieder seit Wochen darauf vorbereitet. "Stellt euch einfach vor, dass unser Gottesdienstsaal keine Wände hat, sondern dass dort Hunderttausende sitzen. Sie alle wollen Gottes Wort hören – etwa zehn Fußballstadien voll."

Gottesdienst in Elmshorn (Quelle: ZDF)Der Gottesdienst nimmt nun an Fahrt auf, Bernd Hock berichtet von einer Begegnung mit dem ehemaligen Bundeskanzler Willi Brandt. Doch an diesem Sonntag gehe es um mehr, um die Begegnung mit dem dreieinigen Gott,  die Hiob so bezeugt: Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.  (Hiob 42,5) Am Bildschirm hat bis dahin sicherlich jeder Zuschauer die kurzen Arme Bernd Hocks registriert. Der Moderator berichtet von seiner Behinderung, die ihn aber, wie Hiob, näher zu Gott führte. "Mir ist klar geworden, dass sich Vollkommenheit vor Gott nicht an zehn Fingern abzählen lässt. Eine Behinderung, mit meinem himmlischen Vater zu reden, habe ich nun nicht mehr!" 

Kamerateam zeigt sich berührt

GemeindechorSchon hier wird deutlich, was diesen ZDF-Gottesdienst von anderen unterscheidet: Geschichten die Gott in das Leben von Menschen schreibt. Das folgende Lied "Mein Erlöser lebt" tut ein Übriges dazu, diesen Eindruck zu festigen. Solistin Raffaela Warnke singt begeistert und die Stimmung überträgt sich auf die Gemeinde. Die Kameras scheinen nun völlig vergessen. Doch es gibt noch mehr Geschichten Gottes. Angela Mumssen, Frau des Pastors, berichtet von einem ihrer Kinder: "Im Alter von vier Jahren erhielten wir die Diagnose: Autismus. Mir war klar, dass dieses Kind mehr als unsere Liebe brauchte. Wir fanden Erzieher, Ärzte, Lehrer und Therapeuten, die wir wirklich als Geschenke Gottes empfinden." Heute sei der Junge ein fröhlicher und kontaktfreudiger Teenager – "und immer noch anders", so Angela Mumssen. "Es war Gott, der uns durch alles hindurchgeführt hat, weil er den Weg kannte." Auch für die Zukunft habe Gott einen Weg, zeigt sich die Mutter überzeugt. Die Geschichte berührt auch die Profis vom ZDF-Team. 

Die Gemeinde singt ein englisches Lobpreislied. Das Klavier und die Orgel klingen noch nach, während Pastor Mumssen die Predigt beginnt. Er nimmt die Aussage Hiobs auf und knüpft ein zentrales Erlebnis des christlichen Glaubens daran: "Es gibt eine reale und spürbare Begegnung mit dem lebendigen Gott." Was Hiob erlebt hat, das dürfe heute jeder Christ von Gott erwarten, macht Pit Mumssen Hoffnung. "Es kann also spannend werden!" Der "Hörensagen-Glaube" sei dabei nicht minderwertig, habe aber seine Grenzen, so der Elmshorner Pastor, "zum Beispiel, wenn unser Leben völlig anders verläuft, als erwartet." Leid, Einsamkeit, Schicksalsschläge nennt er. Hiob sei in all dem Gott treu geblieben, aber er habe ihn nicht mehr verstanden. "Warum hat Gott das alles zugelassen?" Anstatt dem Leidenden eine  logische Erklärung abzuliefern, begegne Gott ihm, "und diese Begegnung war die Antwort!" Trost und Lebensmut entstünden nicht durch Erklärungen, sondern durch Begegnungen, predigt er weiter. Der Zugang zu Gott sei jedem möglich, im persönlichen Gebet im Namen Jesu Christi. 

Während die ZDF-Kameraleute in traditionellen Kirchengebäuden eine reiche Auswahl an Motiven haben, auf die sie während der Predigt schwenken können, ist dieses im modernen Zweckbau der Arche Elmshorn eher schwierig. Daher müssen die Menschen im Gottesdienst herhalten, das bunte Kreuz eignet sich natürlich auch. Extra wurden zudem Lichteffekte installiert, um die Bühne etwas farbiger zu gestalten. Den Diskoeffekt hat die Gemeinde allerdings nicht nötig, um wach und gespannt zu bleiben. Sie ist weitaus längere Predigten als die elf Minuten gewohnt, die man Mumssen zugestanden hat. Doch auch so merkt man, dass die Predigt anrührt. 

Authentisch über den Äther

Zwischendurch hat der CZA-Pastor das wörtliche Drehbuch verlassen, bleibt aber inhaltlich bei dem, was er sagen will. Später wird der Senderbeautragte der EKD, Pfarrer Stephan Fritz, loben, dass dieses besonders "authentisch" gewesen sei. Positiv wird sich auch die VEF-Rundfunkbeauftragte Andrea Schneider im Nachhinein über den Gottesdienst äußern: "Authentisch und begeisternd, ein gutes Beispiel für die besondere pfingstlerische Frömmigkeit, die aber auch für andere Christen gut nachvollziehbar ist." 

Hans-Peter Mumssen am Klavier (Quelle: ZDF)Hans-Peter Mumssen sitzt derweil nun wieder am Piano und es kommt eine "spannende Stelle" für die Regie. Die Gemeinde singt "Kyrie eleison – Herr erbarme dich". Pit Mumssen lädt ein, zum Gebet und zur Segnung nach vorn zu kommen. Einige kommen diesem Aufruf nach. Während der Gesang weitergeht, leuchtet das rote Licht von Kamera 1 auf, die voll auf Mumssen zoomt. Der CZA-Pastor wendet sich nun direkt an die Fernsehzuschauer: "Wenn es auch Ihnen ein Bedürfnis ist, Gott zu begegnen, möchte ich jetzt kurz für Sie ganz persönlich beten." Danach ermutigt er die Zuschauer, selber aktiv weiterzubeten. "Gott wird Ihr Gebet gewiss erhören." Der Chor bestätigt das musikalisch: "Gott ist so gut zu uns." 

Zahlen sagen nicht alles…

Jetzt ist es fast geschafft, Esther Dymel-Sohl stimmt mit der Gemeinde das Vater Unser an, Bernd Hock bedankt sich und Pastor Mumssen stellt alle unter den Segen Gottes. 46:30 Minuten war man auf Sendung, etwas länger als geplant. Aber die Redaktionsleitung des ZDF hatte entschieden, bis zum Ende auf Sendung zu bleiben. Die TV-Zuschauer werden verabschiedet, die Wände des Saales sind wieder geschlossen. Die Gemeinde feiert noch weiter, dieses ist so mit der Crew abgesprochen. Der Einladung Mumssens auf einen Kaffee kommt nur ein Teil der ZDF-Mannschaft nach, der Rest packt und macht sich auf dem Weg – die Karawane zieht weiter. Bleiben wird der Eindruck eines Gottesdienstes der besonderen Art. Auch für die Crew war es ein Gottesdienst der Begegnung. 

Am Montag meldet sich der EKD-Pfarrer Fritz mit den genauen Zahlen: 8,4 % Marktanteil, das heißt, im Schnitt haben 580.000 Menschen diesen ZDF-Gottesdienst verfolgt. Die Zuschauerberatung bekam über 600 Anrufe (Durchschnitt 2012: 411). Damit war der Gottesdienst aus dem Christus-Zentrum Arche in Elmshorn aus Sicht des Senders ein Erfolg. "…doch sagen Zahlen das Wichtigste ja nicht aus", schließt die Email des EKD-Beauftragten. 

Rückblick mit Fotos

 

 
Mehr dazu auf der Internetseite www.zdf-fernsehgottesdienst.de.
Der vollständige Gottesdienst kann hier nochmals angesehen werden.

 


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