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Der Lärmgesellschaft den Rücken kehren

Ein Erfahrungsbericht von Christian Häring, GEISTbewegt!-Redakteur

 

Jahr der StilleEin ägyptischer Mönch im 4.Jahrhundert hat eine neue Zelle am Nilufer bezogen. Es war ein wunderschönes Plätzchen. Doch war dieser Ort nur auf den ersten Blick für ihn idyllisch. Nach ein paar Wochen musste er entnervt weiterziehen. Er konnte das Rauschen des Schilfs nicht länger ertragen. Diese nette kleine Geschichte stellt mich vor die Frage, wie dieser Mönch wohl heute reagieren würde – sind wir doch Meister im Ertragen von Lärm. Manchmal scheint es fast so, als könnten wir mit Ruhe und Stille nichts mehr anfangen, als wären sie gar bedrohlich für unser Leben. Wir zählen heute zur bestinformierten Gesellschaft aller Zeiten, lassen uns tagein tagaus berieseln von einer unfassbaren Flut von Musik und Bildern jeglicher Art. Radio, Fernsehen und das Internet buhlen gekonnt um unsere Aufmerksamkeit, der MP3-Player beschallt uns sogar bei der Andacht (stille Zeit?) – wohlgemerkt mit guter Lobpreismusik. Heute weiß man: Die Menschen im Mittelalter haben in ihrem ganzen Leben nicht so viele Informationen bekommen und Reize verarbeiten müssen wie wir an einem einzigen Tag. Gehirnforscher sagen, dass wir nur einen Bruchteil all dieser Informationen verarbeiten können. Der größte Teil wird von unserem Gehirn schlicht verdrängt. Doch wohin?

Stress ist zur Volkskrankheit geworden

Christian HäringMenschen suchen in alternativen Heilmethoden ein effektives Gegenmittel gegen Stress zu finden – unter Beibehaltung ihres aktivistischen Lebensstils. Krankenkassen melden, dass stressbedingte Erkrankungen die häufigste Ursache für Krankschreibungen sind. Ernsthaft: Ist es bei uns, die wir Gott kennen, anders, und können wir Christen uns hinter der Ausrede verstecken, dass wir doch in Gott unseren Ruhepol haben? Wenn ja, warum merkt man das so wenig? Die Programmfülle der Gemeinden und christlichen Werke sprechen da eine deutliche Sprache …. Gerade bei uns Christen sollte man den vielzitierten Unterschied spüren können. Auch ich zähle mich zu denen, die gerne aktiv sind – und das leider auch mal zu viel. Bedingt durch eine längere Krankheitsphase erlebte ich eine "Entschleunigung" meines zu hohen Lebenstempos und eine "Entlärmung" meines Alttags. Seither lerne ich, Aktion und Stille angemessen miteinander zu verbinden, mir immer wieder Ruhephasen zu gönnen und diese bei allen Anforderungen auch als normal zu sehen.

Gottes Lebensrhythmus finden

Den Wert und die Idee der Stille neu ins Bewusstsein zu bekommen, ist Ziel der Aktion "Jahr der Stille" 2010. Vom 1. Advent dieses Jahres an möchte uns die Aktion an 365 Tagen darin unterstützen, "Gottes Lebensrhythmus" von schöpferischer Produktivität und Ruhe zu entdecken. In Gottesdiensten, Kleingruppen und der persönlichen "stillen Zeit" soll die Bedeutung der Stille neu in den Mittelpunkt gerückt werden. Stille versteht sich dabei nicht als Gegensatz zur Aktion, als Aufruf zum "frommen Faulenzen", sondern als eine notwendige Ergänzung. Stille Zeit soll kein Pflichtprogramm bleiben (aus dem schon so mancher alternativlos ausgestiegen ist), sondern den Blick dafür öffnen, dass es ganz unterschiedliche Wege gibt, unserem Gott zu begegnen. Erst aus diesen täglichen Stille-Begegnungen heraus sollten wir in die Aktion. Die Auswirkungen wären sichtbar! Gott begegnen – einzeln und in der Gruppe. Ihn hören, ihn erleben, ihn neu begreifen. Stille muss bewusst gesucht und eingeplant werden. Über achtzig Kirchen und Gemeindeverbände, christliche Werke und Seminarveranstalter sowie Verlage in Deutschland haben sich zusammengeschlossen, um das "Jahr der Stille" mit guten Inhalten zu versehen. Ein Ideenheft wird kostenfrei abgegeben. Gemäß neuem Namen unserer Zeitschrift dürfen dies GEISTbewegte Stillezeiten werden!

 

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www.jahrderstille.de


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