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Geiseln zweiter Wahl

Kommentar

(24.08.09) Geiselnahmen haben weltweit Hochkonjunktur. Immer häufiger sind Deutsche betroffen. Schlagzeilen über die "Hansa Stavanger" lockerten das mediale Sommerloch auf. Am Bord des am 4. April vor Somailia von Piraten geenterten Schiffes waren 24 Mann Besatzung, darunter fünf Deutsche. Die Bundesregierung scheute keine Mühe, sich für die Mannschaft einzusetzen. Ein in letzter Minute abgebrochener Einsatz der Spezialeinheit GSG-9 sorgte sogar für wochenlange politische Diskussionen.  Einig war man sich dabei nur darin, dass alles für die Geiseln getan werden müsste. Schließlich kamen diese frei. Offenbar hatte viel Lösegeld den Besitzer gewechselt.

Familie aus Sachsen seit 12. Juni entführt

Ganz anders sieht es mit einer fünfköpfigen sächsischen Familie aus. Sie wurde  am 12. Juni im Jemen entführt. Mit ihr verschwanden ein britischer Ingenieur, zwei deutsche Krankenschwestern und eine koreanische Lehrerin. Die drei Frauen wurden später brutal ermordet. Von der Familie aus Sachsen und dem Briten fehlt weiterhin jede Spur.

Die beiden Krankenschwestern kamen von der Bibelschule Brake in Lemgo. Sie waren für die Hilfsorganisation Worldwide Services als Praktikantinnen im Krankenhaus von Saada eingesetzt. Drei Monate wollten sie einfach helfen in einer Gegend, wo wenige freiwillig hin gehen. Auch die fünfköpfige Familie aus Sachsen hat einen christlichen Hintergrund. Gemutmaßt wird, dass dies der Grund für die Entführung sei. Doch auch die beiden Eltern mit ihren Kindern waren in Jemen, um zu helfen.

Schutz der Geiseln verbietet detaillierte Berichterstattung

Um diese Familiie zu schützen, wird niemand Details über ihre Arbeit berichten. Denn nur ein falsches Wort könnte, wie bei den drei Frauen, den Tod zur Folge haben. Doch in Deutschland brach eine Diskussion los, ob nicht Christen, die missionieren, selbst Schuld haben, wenn sie im Ausland entführt und vielleicht sogar getötet werden. In einem Beitrag des ZDF hieß es "Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer". Die Moderatorin sagte: "Bereit sein für Gott zu sterben – das klingt vertraut bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten" (Frontal, 04.09.09).

Dieser Bericht ist kein Einzelfall. Auch wenn er sich nicht auf die Familie aus Sachsen bezieht, zeigt es die Tendenz: Menschen, die sich als Christen in Gefahrenzonen begeben, haben selbst Schuld. Menschen, die beispielsweise als Frachterbesatzung für die Wirtschaft arbeiten, sind unschuldig in die Gefahrenzone geraten.

Auch der BFP missioniert

Auch der BFP hat viele Christen im Auslandsmissionseinsatz. Geschwister der Velberter Mission helfen und sie erzählen, wie gut der Herr ist. Sie sind, wie auch die Geschwister anderer christlicher Missionen, friedlich im Einsatz. Es geht nicht um Abenteuer, sondern es geht um die Rettung von Menschen. Dabei wird niemand zu etwas gezwungen. Sie geben mit ihrem selbstlosen Einsatz ein Beispiel dafür, dass man auch ohne Maschinengewehr, Bombengürtel und Pistole helfen kann. Jesus ist dafür das beste Beispiel.

Wer diese Missionare mit islamischen Fundamentalisten vergleicht, hat die Unterschiede nicht gesehen. Klar, beide Seiten treten für ihren Glauben ein. Doch: Die einen bomben, die anderen helfen.

Es darf keine Geiseln zweiter Klasse geben. Auch das Ehepaar aus Sachsen mit ihren drei Kindern braucht Unterstützung – und sei es nur dadurch, dass man sich bei der Berichterstattung an die Fakten hält.

Michael Voß
 


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