Kleine und große Wunder
von Esther Dymel-Sohl
Die Anmeldelawine zur 114. Bundeskonferenz des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden rollt am 21. September 2009 ab 14.30 im SeePark Resort in Kirchheim. Rund 1.000 Pastoren und Gemeindemitarbeiter wollen eingecheckt, informiert, untergebracht und beköstigt werden. Dafür stehen Thomas (48) und Regina (47) Siebold mit ihrem Team bereit, um selbst das Unmögliche für die Teilnehmer möglich zu machen.
Ein 80-jähriger BFP-Pastor reist an - leider ohne sich vorher angemeldet zu haben. Weil der SeePark ausgebucht ist, gestaltet sich die Unterbringungsfrage schwierig.
Während Regina Siebold noch nach einer Lösung sucht, ist Präses Roman Siewert (62) mit der Vorbereitung seiner Predigt für den Eröffnungsgottesdienst am Abend beschäftigt. Gedanken und Notizen, die ihm in den vergangenen Tagen für seine Predigt gekommen sind, schreibt er zusammenfassend auf und umbetet sie. "Drei Mal 40 Jahre und doch gesegnet" ist Thema seines Vortrages.
Inzwischen konnte Regina den 80-jährigen Pastor mit einer Übernachtungsmöglichkeit versorgen, der von einem Ohr zum andern strahlt. Im Anmeldebüro herrscht ein großes Hallo. Die Pastoren sind froh, Kollegen wieder zu treffen, mit denen sie sich austauschen können. Doch nicht alle können unbeschwert die vor ihnen liegenden Tage genießen. Manchen liegt die Schwere ihrer eigenen Gemeindearbeit auf der Seele.
Doch genau darüber wird Roman Siewert am Abend predigen, über die ersten 40 Jahre von Mose, den „aus dem Wasser Gezogenen, den diese Metapher sein ganzes Leben wie ein roter Faden durchzog und dem das Wasser oft bis zum Hals stand. Doch genau in diesen Situationen entstand eine neue Nachdenklichkeit."
An der Anmeldung stehen Joe (48) und Karin (42) Bedford. Seit 2003 sind sie Missionare in Peru, die nun das erste Mal seit 6 Jahren wieder an einer BFP-Konferenz teilnehmen können. Gerade erst haben sie gemeinsam mit ihren drei Kindern ihren Heimaturlaub für die nächsten 6 Monate hier in Deutschland begonnen. Am meisten freuen sie sich auf "den Austausch mit den Geschwistern". Dort auf 3.800 Metern im Hochland Perus sind sie quasi auf sich alleine gestellt. "Die Hochländer kennen unsere Welt nicht und deshalb können wir uns mit ihnen auch darüber nicht austauschen", erzählt Joe.
Auch Mose suchte den Austausch; mit seinem Volk und mit Gott. "Die zweiten 40 Jahre sind von Einsicht geprägt", wird Roman Siewert im Abendgottesdienst predigen. Er wird die Bundeskonferenz herausfordern, Veränderung zu wagen und sich inspiriert und konkret in all den Diensten der Lehre und der Gemeinschaft im Heiligen Geist aktivieren zu lassen. Er wird die Pastorenschaft auffordern, nicht in den ersten 40 Jahren stehen zu bleiben, doch sich auch nicht in den zweiten 40 Jahren häuslich einzurichten.
Denn nach zwei Mal 40 Jahren "begegnet Gott dem Mose", wird Präses Siewert predigen und die Pastoren werden ihr "Amen" dazu geben. Denn die meisten der Teilnehmer sind genau deshalb gekommen: Um Gott zu begegnen. "Mose war 80-jährig und hatte mit dem Leben abgeschlossen. Auch heute sind Männer und Frauen Gottes hier, die abgeschlossen haben. Doch die Zahl 80 steht für 'Auftrag'. Auch du bist bei deinem Namen gerufen. Gewinne deinen Auftrag lieb", wird Roman Siewert als Präses "seine Pastoren" in der Abendveranstaltung ermutigen.
Für die Studenten der Studienstufe des Theologischen Seminars Beröa ist ihr Auftrag klar. Sie sind auf dem Weg, Pastoren zu werden und dürfen nun im dritten Studienjahr erstmalig an einer BFP-Konferenz teilnehmen. Neben helfenden Aufgaben, die sie bei der organisatorischen Betreuung der Konferenz haben, ist die Zeit auf der BUKO wichtig, um Kontakte zu Gemeindepastoren zu knüpfen, bei denen sie ab März 2010 ihr 6-monatiges Praktikum absolvieren können. Manchen bietet sich dadurch sogar eine Option für ein anschließendes Vikariat in einer Gemeinde. Oliver Dalinger (24) ist Klassensprecher für die diesjährige Studienstufe und macht gerade einen Dienstplan. 4 Studenten müssen bei der abendlichen Getränkeausgabe mithelfen, einige beim Ordnerdienst der Essenausgabe und andere bei gottesdienstlichen Hilfsdiensten wie Abendmahl austeilen und Opfer einsammeln.
Gott zählte auf Mose. Doch "als Moses neu beauftragt wurde, entgegnete er Gott, er habe eine schwere Zunge." Seit Monaten, auch in seinem neuen Dienst als Präses, gehe ihm der Gedanke der leichten und schweren Zunge nach, so wird Roman Siewert abends predigen. Er wird an die Teilnehmer nachdrücklich appellieren, sich ihren Wortschatz neu vom Himmel entzünden zu lassen, um heilsame Worte zu reden, die vorwärts bringen und nicht Worte, die einen im Kreis laufen lassen, wie die Israeliten bei ihrer Wüstenwanderung.
Eine Spontanerfüllung mit dem Heiligen Geist, um die Englische Sprache perfekt reden zu können, wünscht sich Regina Siebold derweil, als sie in all dem regen Treiben im Anmeldebüro von einer amerikanischen Missionarin angesprochen wird. Diese hat Probleme mit ihrer Rechnung. Doch hier ist schnell menschliche Hilfe in Form einer Übersetzerin parat.
Roman Siewerts Predigt wird für die Teilnehmer der internationalen Gemeinden sowohl ins Englische, wie auch ins Französische übersetzt werden. Inhaltlich braucht Roman Siewert abends bei seinem Vortrag aber keinen Dolmetscher. Von Herz zu Herz wird er zu der Pastorenschaft sprechen, klar und deutlich, liebevoll mahnend aber auch zukunftsweisend. "Der pastorale Dienst mag sich mit der Zeit wandeln, doch wir dürfen Kurs halten. Manche Rechnungen werden offen bleiben, manche Träume werden nicht wahr, doch Gottes Liebe ist ewig." Roman Siewert wird die Pastoren daran erinnern, dass die dritten 40 Jahre im Leben des Mose das Finale sind, in dem Gott ihn Freund nennt, obwohl Mose seine Freundschaft zu Gott durch Fehlverhalten oft strapaziert hat. "3 x 40 Jahre und doch gesegnet. Unser Glaube an Gott, Christus und den Heiligen Geist ist kein Schwindel, sondern die Kraft und die Macht, die die Welt überwunden hat. Christus zu lieben heißt zu leben."
Und dass Christus auch die Bundeskonferenz liebt, zeigt sich an einem kleinen Wunder, geschehen im Anmeldebüro der 114. BFP-Tagung: Obwohl alles ausgebucht war, sind insgesamt 25 Teilnehmer am heutigen Tag angereist, ohne sich vorher angemeldet zu haben. Doch genau so viele Buchungen wurden am gleichen Tag von anderen Pastoren storniert, so dass alle spontanen Ankömmlinge von Regina und Thomas Siebold noch untergebracht werden können. Die Lawine hat sich in Wohlgefallen aufgelöst und Gott hat wieder das Unmögliche möglich gemacht.