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Seelsorge in der Postmoderne

von Frank Uphoff

 

Michael Seifer (Foto: Uphoff).Die Gemeinde der Postmoderne ist in einer multioptional organisierten Gesellschaft im Bereich der Seelsorge besonders herausgefordert und muss neue Wege beschreiten. Diese Auffassung vertrat Dr. med. Michael Seifer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Kassel), im Rahmen eines Seminars auf der 114. BFP-Bundeskonferenz. Dabei warb er auch für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlich und semiprofessionell tätigen Seelsorgern auf der einen, sowie psychologischem Fachpersonal auf der anderen Seite. "Die Psychologie kann helfen, wieder auf die Beine zu kommen, wenn man gestolpert ist, aber sie sagt nicht, in welche Richtung man gehen soll – das kann die Theologie."

 

Für den postmodernen Menschen nehmen die individuellen Bedürfnisse einen wesentlich größeren Stellenwert ein als noch im Zeitalter der Moderne, sagt Michael Seifer. Eigene Wünsche, Sehnsucht und Wille schöben den Stellenwert der Gemeinde, aber auch der gesellschaftlichen kulturellen Einflüsse in den Hintergrund. Auch Ideale, biblische Werte und die Frage nach Wahrheit werden in der Postmoderne ganz neu gewertet. Für diese neuen Herausforderungen müssten sich die Gemeinden der Zukunft vorbereiten.

 

"Postmodernisten wünschen Antworten auf die realen Fragen ihres täglichen Lebens. Sie wollen keine großen Versprechen, keine großen Thesen und Dogmen, sie wollen Ergebnisse: nicht was ist wahr, sondern was hilft," zitierte der Facharzt aus Kassel Rüdiger Halder aus Band 12 aus dem Bundesunterrichtswerk des BFP zum Thema Postmoderne. "Wahrheit wird erst dann als solche anerkannt, wenn sie im Leben dessen, der den Anspruch hat, Wahrheit zu verkündigen, sichtbar wird. Wahrheit soll somit also vorgelebt werden."

 

Beziehungen, so der Facharzt weiter, nehmen in der Postmoderne einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Eine Herausforderung für den Seelsorger sei, (Frei)-Räume zu schaffen, damit Vertrauen entstehen kann. Seelsorger sind zuerst Zuhörer, dann Berater oder Helfer. Wahrheit (Christus) wird nicht verkündigt, sondern vermittelt, erlebbar gemacht in der Person des Seelsorgers, in seinem Verhalten. Räume, das bedeutet Zeit, Zeit, Zeit, Ruhe und Zeit zum Hören an Orten der Stille.

 

Das Seminar wurde veranstaltet vom Arbeitskreis Seelsorge im BFP (seelsorge.bfp.de). Der Arbeitskreis hat vom Präsidium den Auftrag erhalten, Klärung und Ortsbestimmungen im Bereich der Seelsorge vorzunehmen. Dazu erschien vor einigen Jahren das Handbuch Seelsorge als Standardwerk im Bundesunterrichtswerk des BFP. Im Weiteren fördert der Arbeitskreis auf der Grundlage seiner Erkenntnis durch Anregungen und Beiträge eine ausgewogene gemeindealltagstaugliche Seelsorgepraxis.

 

 
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