Der Reichtum der Kulturen im BFP
von Frank Uphoff
Der BFP wandelt sich. Von den 751 BFP-Mitgliedsgemeinden sind 249 Gemeinden mit Migrationshintergrund, davon wiederum 163 (!) afrikanische Gemeinden. In den meisten deutschen Großstädten gibt es mittlerweile mehr internationale BFP-Gemeinden, als deutsche Gemeinden. Hamburg, Frankfurt und München sind besondere Beispiele.
So ist auch das bunte und farbenfrohe Miteinander auf den BFP-Konferenzen mittlerweile gelebte Selbstverständlichkeit. Menschen aller Nationen treffen sich auf den BFP-Konferenzen. Aber lebt der BFP auch Integration? Gibt er den Kulturen Raum? Wie spiegelt sich diese internationale Dimension auf den Konferenzen wider?
Italienisch, feurig, baden-württembergisch…
"Kommt, lasst uns den Herrn gemeinsam in neuen Sprachen anbeten, in Zungen singen, auf die Gaben des Heiligen Geistes hören." Er strahlt über die ganze Breite seines leicht südlich brünetten Gesichts. Gleich am ersten Konferenzabend, den er als Moderator leitet, nimmt er die Konferenzgemeinde voll in die Beziehung zum Heiligen Geist hinein. "Ich fühl mich immer noch mehr als Italiener, nicht so sehr als Deutscher, aber ich bin hier in Deutschland voll akzeptiert." Graziano Gangi (40), Pastor der Agape Gemeinde in Karlsruhe, liegt besonders die Freiheit im Heiligen Geist und das Gebet in Sprachen auf dem Herzen. Das spürt man ihm ab.
Die prophetischen Gaben an diesem Abend, eingeleitet durch ein prophetisches Lied "Mehr als alles bewahre dein Herz", sind beeindruckend. Sie zeigen deutlich im Vorfeld die Linien der späteren Predigt von Präses Roman Siewert auf. Graziano ebnet durch seine Sensibilität und Offenheit dafür die Türen. Es ist stark, wie der Geist Gottes die Wege ebnet – ohne menschliche Absprache. "Das ist eine wunderbare Seite des BFP", meint der sympathische Italiener. "Diese Konferenz ist für mich sehr persönlich, verbindend, familiär. Die Liebe untereinander ist intensiv, wie ein Startschuss, eine Wende".
Drei Kinder hat Graziano, der von sich sagt, gerne Pastor seiner Gemeinde in Karlsruhe zu sein. Die italienische Gemeinde in Offenbach, dann Mainz, dann Karlsruhe. Das sind seine Dienststationen. "Lebendiger und feuriger sind die Italiener, jawohl das stimmt", meint er und fügt lachend hinzu, dass das keineswegs geistlicher wäre, als bei den Deutschen.
Laut, frisch, bewegt, südamerikanisch, gemeindegründend
"Diejenigen, die Lautstärke lieben, bitte am Abend in die Mitte und ganz nach vorne, alle anderen bringen Ohropax mit und setzen sich an die Seite!" Präses Roman Siewert findet am Dienstagnachmittag klare Worte, um den Latino-Lobpreis am Abend einzuleiten. Was dann auf der Bühne abgeht, fordert die eher ruhig-etabliert-deutsche Gottesdienstkultur schon heraus. "Die Südamerikaner in Deutschland müssen das Evangelium in ihrer Sprache hören, in ihrer Musik fühlen, ihre Kultur hautnah spüren."
Joe Calderon (42) gehörte früher in Peru zum Sonderkommando für Terrorbekämpfung. Seine muskulöse Statur zeigt deutlich, dass er für diesen Job gut geeignet gewesen sein muss. Jetzt ist er Pastor in Nürnberg. Und er brennt für Jesus. Seine Latino-Band mit kroatischer Unterstützung nimmt die Konferenzgemeinde am Dienstag mit in die Anbetung Gottes hinein, zugegeben ungewöhnlich laut, ganz wie der Präses es verheißen hatte. Die Konferenzversammlung geht ausgelassen mit. Freude darf auch ausgedrückt werden!
"Wir wollen die Latinos in Deutschland mit der Botschaft von Jesus erreichen, aber auch die Deutschen." 10 Latino-Gemeinden gehören mittlerweile zur „Latino-AIG“ im BFP, aber weit mehr stehen vor der Tür und sollen eingebunden werden. "Wir wollen gemeinsam mit den BFP-Gemeinden arbeiten, um kulturübergreifend Menschen mit der Liebe Christi bekannt zu machen", führt Calderon weiter aus, der in Venezuela zum Glauben gekommen ist. Mehrere Tochtergemeinden haben sie schon gegründet.
Zum Schluss unseres kurzen Interviews das obligatorische Gruppenfoto. Auch das ist in anderen Kulturen beliebter, als bei uns.
Norddeutsch, britisch, afrikanisch, schockierend…
Nein, Pastor einer afrikanischen Gemeinde ist er nicht. "Manche Leute sind schockiert, wenn sie hören, dass ich als Pastor in einer deutschen Gemeinde arbeite." Victor Akko (39), ist seit 2003 ordinierter Pastor in der Elim-Gemeinde in Hamburg, fünf Kinder zwischen 1 und 14 Jahren zählen zu seiner Familie. Ihm liegt besonders die Evangelisation auf dem Herzen. 50 Neubekehrte haben sie in diesem Jahr in der ELIM schon getauft, im November werden es wohl noch mal 20 sein. Die Augen leuchten begeistert aus seinem schwarzen Gesicht. "Wir müssen Jesus unser Boot zur Verfügung stellen", meint der in England geborene Ghanese.
Das jugendliche Setup der diesjährigen BFP-Konferenz mit Lichtgestaltung durch Headspins und der Sound der Lobpreisband gefallen ihm besonders. "Wir sind als BFP auf einem guten Weg", meint er, "in den letzten Jahren hat sich viel getan". Tagemoderator ist Akko am Dienstag. Völlig fehlerfrei ist sein Deutsch nicht, aber das hindert nicht seine Dienstgabe der Leitung. Auch das ist die Stärke des BFP – Integration und Herz ist wichtiger als Perfektion. Nach dem Studium auf BERÖA war Neunkirchen in der Lüneburger Heide seine erste Dienststation. "Und in meinem Herzen sind größere Pläne für Hamburg", sagt er verheißungsvoll, ohne alle seine Pläne auf den Tisch zu legen. "Ich liebe es zu predigen", verabschiedet er sich von mir. Man merkt, sein "Boot" gehört Jesus!
Finnisch, ehrlich, tiefsinnig - ohne finnischen "Susa"…
Der Individualismus ist in Finnland eines der größten Probleme. Die Finnen heizen von April bis September ihre Sauna in ihrem einsamen Ferienhaus, weit abgelegen vom Nachbarn. Sie schauen den Gottesdienst im Internet an. Wenn du ihnen sagst, dass sie in den Gottesdienst kommen sollen, steigt in ihnen der urfinnische Zorn ("Susa") auf. Klaus Kohonen, Hauptpastor der Salem-Gemeinde in Helsinki, führte in seiner trockenen und doch so treffenden Art den Konferenzteilnehmern vor Augen, wie Veränderung in der Leiterschaft, in der Gemeindestruktur und in der Evangelisation inspiriert und konkret geschehen kann.
"Die Liebe überwindet jede festgefahrene Tradition und den zerstörenden Individualismus", so der sympathische Finne, der die leicht amüsierte Konferenz mit den 14 Fällen der finnischen (himmlischen) Sprache bekannt machte. "Randgruppen und psychisch Schwache fühlen sich auch mittlerweile in unserer eher sehr etabliert geprägten Gemeinde wohl." Ehrlich und transparent stellt er die tiefgreifenden Veränderungsprozesse, die seine Gemeinde durchlaufen hat, dar. "Die schwierigen Festungen, die Veränderungen blockieren, sind im eigenen Herzen. Lass sie von Jesus wegräumen."
Die BFP-Konferenz verabschiedet Kohonen nach seinem Dienst mit anhaltendem Applaus. Danke, Klaus, für deine Offenheit. Du bist nicht als "Guru" aus dem Ausland eingeflogen, sondern hast uns wichtige Impulse gegeben. "Auch wir haben von euch Deutschen zu lernen." Besondere Impulse nimmt Kohonen aus der Vielfalt und aus den Gedanken der jüngeren Konferenzredner mit. "Ihr seid uns als BFP darin ein Vorbild".
"Unser Bund ist bunt…"
…war und ist eine oft zitierte Feststellung. Früher bezog sich das schon allein auf die deutschen Gemeinden, mittlerweile ist es durch die internationalen Gemeinden noch breiter geworden.
Wahrlich, der BFP ist vielfältig und gibt dem auch Raum. Die damit verbundene Herausforderung ist nicht klein, aber sie wird gelebt, nicht nur in den Gemeinden, sondern auch in den Regionen und den Konferenzen. Vier aufgezeigte Beispiele machen das exemplarisch deutlich, viele weitere könnten genannt werden. Jesus als Zentrum verbindet. Die Unterschiedlichkeit ist Gabe und gleichzeitig Aufgabe. Dass der BFP dabei auf einem guten Weg ist, hat diese Konferenz wieder neu gezeigt.