40 Jahre Haus Nazareth

Haus Nazareth in Norden/Norddeich feierte 40-jähriges Bestehen – Roman Siewert als Leiter verabschiedet 

Sollte nur ein einziges Wort gesucht werden, dass stellvertretend für diese Veranstaltung steht, dann fällt die Wahl nicht schwer: Es ist Dankbarkeit. Bei der Festveranstaltung „40 Jahre Sozialwerk Nazareth“, bei der auch gleichzeitig Roman Siewert, Leiter der Einrichtung von der ersten Stunde an, verabschiedet wurde, fiel dieses Wort häufig. Ohne dass es abgenutzt klang. Die Redner waren sich einig, Siewert habe mit dem Haus Nazareth ein Haus der Begegnung geschaffen, in dem alle Menschen mit viel Herzenswärme empfangen und umsorgt werden. Besonders bewegend, nicht allein für Roman Siewert, waren die Dankesworte der heute fünf erwachsenen Kinder. Eine Tochter sagte: „Papa hat uns erzogen, die Menschen zu lieben.“

Vor knapp 550 Menschen hatte Geschäftsführer Dr. Martin Stötzel die Gäste begrüßt. Der Wechsel innerhalb der Verwaltung des Hauses Nazareth hatte schon vor einigen Monaten stattgefunden. Stötzel rührte Siewert zu Tränen, als er ihn das Geschenk der Verwaltung auspacken ließ: eine Statue, die eine Mutter zeigt, die ihr Kind in die Höhe hält. Die Skulptur von Nicky Imber trägt den Namen „The Hope“. Bislang hatte Siewert eine Fotografie von ihr im Zimmer hängen. Er hatte sie vor Jahren bei einer Reise entdeckt. Als Siewert das Original vor sich sah, sagte er gerührt: „Das ist Nazareth.“ Die Mitarbeiter schenkten ihm eine Fotocollage des Hauses Nazareth, gebildet von sämtlichen Mitarbeitern des Hauses. Sie dankten ihm damit, dass „du jeden einzelnen wahrnimmt.“

Der Norder Bürgermeister Heiko Schmelzle hatte den Reigen der Redner begonnen. Er sagte: „Roman Siewert ist eine beeindruckende Persönlichkeit.“  Schmelzle erinnerte an die Aufnahme der Flüchtlinge aus Vietnam im Haus Nazareth: „Sie gilt als eine der erfolgreichsten Integrationsleistungen in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Sozialwerk Nazareth war in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung.“ Schmelzle konnte auch mit einer ganz besonderen Facette Siewerts aufwarten: „Er betreibt hier im Haus Nazareth einen Hühnerstall.“ Die Auflösung: In einem Schrank seines Büros bewahrt Siewert Überraschungseier auf. Als Geschenk hatte Schmelzle ihm daher eine Dose als „mobilen Hühnerstall“ mitgebracht.

Landrat Harm-Uwe Weber machte deutlich, dass mit der Verabschiedung Roman Siewerts, eine Ära zu Ende geht. „Sie sind für den Landkreis stets ein ausgesprochen wichtiger Partner gewesen.“ Er kenne und wertschätze Siewert seit den 90er-Jahren. „Er meint das, was er sagt und er ist ein Menschenfreund, der seine zutiefst christliche Überzeugung lebt.“ Dieser Geist präge das Sozialwerk: „Es ist schon eine außergewöhnliche Einrichtung mit einer ganz besonderen Atmosphäre.“ Unter dem Gelächter der Gäste sprach Weber auch von dem „rasanten Fahrstil“ Siewerts. „Und wenn ich das sage, will das schon etwas heißen.“ SPD-Bundestagsabgeordneter Johann Saathoff dankte Siewert, dass er ihn gelehrt habe, „dass nicht allein von Flüchtlingen zu sprechen ist, sondern von Menschen, die Schutz und Hilfe suchen“. Dieser Unterschied sei wichtig. „Jeder Mensch hat einen guten Grund für sein Handeln.“ Saathoff dankte Siewert ganz persönlich: „Sie waren mein persönlicher Rat- und Mutgeber. Sie waren eine positive Kraft.“

Unter den weiteren Rednern der Festveranstaltung war auch Dr. Johannes Fellinger aus Österreich, der dem Publikum malerisch den „Roman-Strom“ vorstellte: „Er hat ungleich feine Seitenäste und er fließt in Gegenden, wo sonst keiner hinkommt.“ Fellinger dankte Roman Siewert „im Namen aller Einzelnen, die nicht vergessen werden“.  Der „Roman-Strom“ sei klar erfrischend – aber nicht kalt. Er habe eine große Schubkraft, „aber er ist nicht zerstörerisch“.

In den 40 vergangenen Jahren hatte es eine dauerhafte personelle Konstanz im Vorstand gegeben, was bereits an ein kleines Wunder grenzt. Eine beeindruckende Predigt von Francoise Forschle aus Paris rundete den Festakt ab. Forschle stellte den festen Glauben sowohl von Roman Siewert, als auch der vielen Mitarbeiter des Sozialwerkes in den Vordergrund, ohne den die wertschätzende und humanistische Einstellung gegenüber den vielen Menschen in Bedrängnis, die Nazareth in den vergangenen 40 Jahren durchlaufen haben, nicht möglich gewesen wäre.

Gekürzter Artikel von Michaela Kruse im „Ostfriesenkurier“, mit freundlicher  Genehmigung

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